Wissenschaft

Mensch und Technik bewegen

2019-05-02 11:55:27
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Quelle: ETH Zürich

Als der damalige ETH-Bachelorstudent Bernhard Winter vor rund fünf Jahren die Idee für einen treppensteigenden Rollstuhl hatte, hätte er sich nicht träumen lassen, dass aus dem Studierendenprojekt eine eigene Firma wird, wie die ETH Zürich berichtet.

Heute arbeitet ein Team von zehn Mitarbeitenden am ersten marktfähigen Modell – Ende 2019 will das ETH-Spin-off Scewo mit der Auslieferung beginnen. Der erste Cybathlon, den die ETH Zürich 2016 in Kloten veranstaltete, habe aber nicht nur junge studentische Tüftler dazu angeregt, dran zu bleiben und sich intensiv mit den alltäglichen Herausforderungen von Menschen mit Behinderungen auseinanderzusetzen.

Auch etablierte Firmen wie beispielsweise die isländische Prothesen-Firma Össur werde den Cybathlon bereits zum zweiten Mal zum Anlass nehmen, ihre robotischen Hilfsmittel in alltagsnahen Situationen auf die Probe zu stellen und sich mit anderen zu messen. Hinter den Kulissen seien die Vorbereitungen für die zweite Auflage des Cybathlon längst in vollem Gang.

Ein Jahr vor dem Wettkampf seien zwei Drittel der 96 Startplätze bereits belegt: Die 66 Teams aus 26 Nationen bereiten sich intensiv auf das Rennen vor. Rund 70 Prozent der Teams stammen aus einem universitären Umfeld, bei den anderen 30 Prozent handelt es sich um privatwirtschaftliche Unternehmen oder NGOs.

Allen gemein ist, dass sie sich immer aus einer Person mit einer körperlichen Behinderung, dem sogenannten Piloten, und einem Entwicklerteam zusammensetzen. Die Schweiz werde nächstes Jahr mit allen drei Landesteilen vertreten sein.

Aus dem Umfeld der ETH Zürich treten nächstes Jahr gleich vier Teams an: das ETH-Spin-off Scewo im Parcours mit motorisierten Rollstühlen, das Studierendenprojekt Varileg enhanced in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) in der Disziplin Exoskelett und zwei Forschungsprojekte in den Disziplinen Beinprothesen und virtuelles Rennen mit Gedankensteuerung – Letzteres in Zusammenarbeit mit Forschenden der Technischen Universität Nanyang in Singapur. Dass der Anlass bereits im Vorfeld Forschende und Menschen mit einer körperlichen Behinderung aus aller Welt zusammenbringt, freut den ETH-Präsidenten Joël Mesot besonders: «Eine der Kernaufgaben der ETH Zürich sei es, neue Erkenntnisse und Technologien für die Gesellschaft nutzbar zu machen.

Der Cybathlon zeigt, dass es sich lohnt, dabei neue Wege zu gehen.» Um den weltweiten Austausch zu intensivieren, führt die ETH gemeinsam mit anderen internationalen Hochschulen zwischen den eigentlichen Events die sogenannten Cybathlon Series durch. Diese Rennen konzentrieren sich jeweils auf einzelne Disziplinen und bieten den Teams die Möglichkeit die Parcours unter Wettkampfbedingungen zu testen.

Die Cybathlon Series finden ab Anfang Mai in Kawasaki, Japan, in Karlsruhe, Deutschland und in Graz, Österreich statt. Aufgrund des grossen Interesses an der Premiere findet der Wettkampf neu an zwei Tagen am Wochenende vom 2. und 3. Mai 2020 statt.

Der erste Tag beinhaltet die Qualifikationsrennen, der zweite die Finalläufe. Aber nicht nur die organisatorische, sondern auch die inhaltliche Ausgestaltung des Wettbewerbs wurde überarbeitet.

«Unser Ziel sei es, Technologien zu fördern, die alltagstauglich seien und von den Menschen auch gerne benutzt werden. Dafür sei der stete Austausch mit Menschen mit Behinderungen und den Entwicklern essentiell», sagt Roland Sigrist, Geschäftsleiter Cybathlon.

So wurde im Armprothesen-Parcours beispielsweise eine Aufgabe eingebaut, bei der die Piloten in eine Jacke schlüpfen müssen – denn selbst die raffinierteste Prothese sei nicht alltagstauglich, wenn sie zu gross und damit eine Jacke zu schwierig an- oder auszuziehen ist. Neu werde es in der Kategorie Armprothesen auch eine Aufgabe sein, Gegenstände zu erfühlen.

Dies solle die Entwicklung von Prothesen mit sensorischem Feedback weiter fördern. Piloten in der Disziplin Beinprothesen müssen neuerdings beim Treppensteigen zusätzlich Gegenstände auf einem Tablett balancieren.

Damit solle verhindert werden, dass die Teilnehmer vor allem auf das gesunde Bein setzen – wie man das punktuell beim Cybathlon 2016 beobachten konnte. Damit sollen Beinprothesen gefördert werden, die dem Träger eine möglichst körpersymmetrische Gangart erlauben.Der Cybathlon sei ein Non-Profit Projekt, das unter dem Dach der ETH Zürich organisiert und zusätzlich durch die grosszügige Unterstützung verschiedener Partner ermöglicht wird.

Von den Presenting Partnern 2020 waren maxon motor, EKZ und die Universitätsklinik Balgrist bereits 2016 als Unterstützer der ersten Stunde mit dabei. Die ETH Zürich freut sich für den Cybathlon 2020 zusätzlich die Schulthess Klinik als Presenting Partner mit an Bord zu haben.

Eine Übersicht über sämtliche Partner und Patronatsgeber findet sich auf der Webseite Unsere Partner..

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