Wirtschaft

Wie Frauen ihre Altersvorsorge verbessern können

2018-07-03 20:40:00
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Frauen erhalten in der Schweiz im Durchschnitt eine deutlich tiefere Altersrente als Männer, wie die Zürcher Kantonalbank mitteilt.

Mit eine Ursache für diese Ungleichheit sei die traditionelle Rollenverteilung bei der Kinderbetreuung und Haushaltsführung. Was man als Frau dagegen tun kann.Die mit Abstand wichtigste Ursache dafür liegt im klassischen Familienmodell: Der Mann erwirtschaftet das Haushaltseinkommen, während sich die Frau um Haushalt und Kinder kümmert.

Somit verzichtet sie ganz oder teilweise auf eine bezahlte Erwerbstätigkeit und dadurch auch auf den Sparprozess für die erste und zweite Säule in der Altersvorsorge. Auch bleibt für Einzahlungen aus der Familienkasse in die Säule 3a der Frau oft nicht genügend übrig.Wie verbreitet das traditionelle Familienmodell noch ist, zeigt der Vergleich der Erwerbsquoten in der Schweiz: Liegt das Pensum von Frauen bei durchschnittlich rund 60 Prozent, so beträgt es bei den Männern hingegen 85 Prozent.

Zudem arbeiten acht von zehn berufstätigen Müttern Teilzeit, die Hälfte davon in einem Pensum von weniger als 50 Prozent. "Spätestens bei der Pensionierung fehlen die Beiträge in der beruflichen Vorsorge und der Säule 3a", erklärt Sonja Mehmann, Finanzplanerin der Zürcher Kantonalbank.Hat die Frau zum Zeitpunkt der Pensionierung nur ein geringes Pensionskassenguthaben, beschliessen verheiratete Paare oft, dass die Frau ihr Guthaben als Kapital und der Mann seines in Rentenform bezieht.

Diese Rechnung geht jedoch nur so lange auf, bis der Ehemann stirbt. Denn dann fällt der Hauptrententräger weg und die Frau erhält eine kleinere Hinterlassenenrente, wodurch ihr Renteneinkommen deutlich sinkt.Daher empfiehlt sich, bei einer ungleichen Verteilung der Pensionskassenguthaben zwischen Mann und Frau eine Rentenangleichung zu prüfen.

So könne es zum Beispiel sinnvoll sein, bei der Frau die Pensionskasse mit freiwilligen Einkäufen aufzubessern und den eingekauften Betrag bei der Pensionierung des Mannes als Teilkapital zu beziehen. Dadurch erhält die Frau eine höhere Rente und würde nach dem Tod des Mannes nicht in eine Notsituation geraten.

"Solche Strategien zu Rentenangleichungen seien vorzugsweise zusammen mit einem Finanzplaner zu erarbeiten", so Sonja Mehmann. "Denn der Zustand und die Leistungen der Pensionskasse, die persönliche Situation wie auch der Altersunterschied zwischen Mann und Frau spielen in der Beurteilung der Gesamtsituation eine sehr wichtige Rolle."Eine weitere Ursache für die tieferen Altersrenten von Frauen seien Scheidungen.

In der Schweiz beträgt die Scheidungsrate rund 40 Prozent. Oft erhalten Frauen nach der Scheidung Unterhaltszahlungen und seien dadurch finanziell bis zum Auszug der Kinder oder sogar bis zur Pensionierung abgesichert.

"Dabei geht vergessen, dass auf die Unterhaltszahlungen keine Vorsorgebeiträge geleistet werden und die Frau gleichzeitig nicht oder nur Teilzeit arbeitet", merkt Sonja Mehmann an. Dies könne sich negativ auf 
die Altersvorsorge von geschiedenen Frauen auswirken.

Zwar werde bei der Scheidung das erwirtschaftete Pensionskassen- oder Freizügigkeitsguthaben zwischen den Ehegatten aufgeteilt, der grösste Sparprozess in der Pensionskasse findet jedoch im Alter zwischen 55 und 65 Jahren statt. "Arbeitet die geschiedene Frau nicht oder aufgrund des Karriereverzichts auf einem tiefen Lohnniveau, so könne sie nicht im selben Umfang von dieser letzten wichtigen Sparphase profitieren wie der Ex-Mann.

Umso wichtiger sei es, auf freiwilliger Basis zusätzlich vorzusorgen."Hinzu kommt, dass die Unterhaltszahlungen meist nicht abgesichert seien und wegfallen, falls der Ex-Mann invalide werde oder verstirbt. Mehmann empfiehlt Frauen deshalb, bei einer Scheidung zu prüfen, ob im Unterhaltsbudget ein Vorsorgebeitrag für ihre 3. Säule vorgesehen werden soll.

Zusätzlich sollte eine Risikoversicherung für den Ex-Mann geprüft werden, welche die Unterhaltszahlungen im Falle von Tod oder Invalidität übernimmt.Nebst der Altersvorsorge sei bei jungen Familien auch die Absicherung für die Risiken Tod und Invalidität zentral. Aufgrund der reduzierten Arbeitstätigkeit der Frau während der Baby- oder Kinderpause seien diese durch die Pensionskasse gedeckten Risiken oft ungenügend abgesichert.

Bei einer langfristigen Beeinträchtigung der Frau stellt sich deshalb die Frage, wer für die Kosten einer Haushalthilfe aufkommt oder wie sich die zusätzliche Kinderbetreuung finanzieren lässt. Sonja Mehmann erlebt immer wieder, dass Paare gerade für diese Fälle unzureichend vorgesorgt haben.

"Bei Familien mit Kleinkindern sollten beide Elternteile ihre Situation überprüfen lassen und gegebenenfalls eine Risikoversicherung abschliessen."Sonja Mehmann habe die Erfahrung gemacht, dass Frauen ihre Einkommenssituation oft aus dem Moment heraus beurteilen. Diese möge zu diesem Zeitpunkt zufriedenstellend sein - doch bei einer längerfristigen Betrachtung zeigten sich häufig Lücken, die sich erst im Rentenalter auswirken würden.

"Generell steigt die Eigenverantwortung zur Vorsorge mit jedem Stellenprozent, das man weniger arbeitet. Was im Übrigen auch für Teilzeit arbeitende Männer gilt." Sonja Mehmann empfiehlt darum Frauen, ihre individuelle Situation laufend zu analysieren und vorauszuplanen.

Denn allfällige Vorsorgelücken lassen sich durch gezielte Massnahmen schliessen. "Damit können Frauen sicherstellen, dass ihnen keine persönlichen Nachteile in der Altersvorsorge entstehen, wenn sie für Kinder und Familie auf eine Karriere verzichten", bringt Mehmann das Thema auf den Punkt..

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