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tres kilos
publiziert am ..

wo jeder „so sein darf, wie er sich fühlt“ und der wunsch „fleisch in schoggi-sosse“ auch ernst genommen wird.


der quartiermexikaner (Bild: martinko)

ich weiss nicht wieso, aber ich hab einen poppigen mexikaner erwartet. authentizität mittels leuchtfarbenen wänden und holzstühlen mit geflochtenen (oder gewobenen?) sitzflächen und lehnen, echten marrichies und haufen von texmex-accessoirs. ich betrete aber -auf den ersten blick- eine quartierbeiz. mit dunklen holzbänken wie in klassischen bahnhofbuffets, gut die tische sind gedeckt und kerzen stehen auf dem tisch und konserven-marriachies im ohr.

ich bin zu früh. bestelle mir einen margarita und es stechen mir die laubsägeli-kakteen ins auge und betrachte das ami-rockige stummelarm-t-shirt mit tres kilos drauf in der wandvitrine. dann, das freut mich sehr, denn bevor die arbeitskollegen da sind, entdecke ich die tortilla-chips auf dem tisch. mmh, also das „täglich frisch gemacht“ kauf ich ihnen locker ab. die sösseli sind's wohl auch.

zu früh gefreut, kaum angeknabbert trudeln auch schon die arbeitskollegen zum weihnachtsessen ein. es bleibt nicht die einzige leckerei, tröstet mich die hoffung auf fleisch in schoggi-sosse, eine mexikanische spezialität. wonach ich auch frage, ohne erst in die karte zu schauen.
„schoggi-sosse?“
kollege, wissend: „die nennen sie glaub' mole...“
sie, erleichtert: „wir haben guacamole!?“
ich, irritiert: „ja...nein, ich dachte schon mehr an schoggi-sosse“

also blättere ich in der karte und siehe da: pollo con mole. sie kommt wieder und meine bestellung wird mit „dacht ich's doch“ quittiert. die sosse des gebratenen huhns ist sehr würzig, sesam für den exotischen touch und ich schmecke einen leichten stich ins bittere; schoggi...? jedenfalls passt es gut zum tempranillo.

der preis hält sich im zürcher schnitt, doch die leistung übertrifft diesen...sehr lange (20 jahre) bestehe die beiz schon und solch einen soliden eindruck hinterlässt sie. freundliche bedienung, der meister hinter der theke sah zwar aus der ferne schon ein bisschen gfürchig aus. sehr gute küche, ich hörte auch sonst keine klagen. die ambiente ist eben schon okay, ich vermisse den poppigen mexikaner nicht wirklich und der etwas zu dünne margarita fällt nach dem wein, carajillo und weiteren heimweg auch nicht arg ins gewicht. (martinko)

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