«Im Untergrund» – Die Denkmaltage zeigen verborgene Kulturgüter in der Stadt Zürich
publiziert am 29.08.2011
Die Europäischen Tage des Denkmals vom Samstag und Sonntag, 10. und 11. September 2011 widmen sich den nicht direkt sichtbaren Denkmälern «unter uns». Archäologie und Denkmalpflege der Stadt und des Kantons Zürich bieten ein reiches Programm, das in die Untergründe der herausragenden Sakralbauten und Festungswerke der Stadt Zürich führt. Zahlreiche wertvolle Kulturgüter befinden sich unter dem Erdboden und hinter Felswänden, werden verborgen durch Fassaden, Überzüge oder Deckschichten. Das Verbergen dient zum Schutz oder zur Geheimhaltung, es ist begründet durch natürliche Gegebenheiten, konstruktive Bedingungen oder den Lauf der Zeit.
Das archäologische Archiv des Bodens, Keller, Krypten, Archive, Kanalisationen oder militärische Festungen – dies alles befindet sich «im Untergrund», wie die Denkmalpflege des Kantons Zürich mitteilt.
Aber auch in der Malerei oder Keramik spricht man von Untergründen. Auf alle diese verborgenen Schätze im Unter- oder Hintergrund lenken die Denkmaltage 2011 den Blick.
Die Führungen und Rundgänge können wie jedes Jahr kostenlos und ohne Voranmeldung besucht werden. Archäologie und Denkmalpflege betreiben bei der Wasserkirche den ganzen Sonntag über einen Informationsstand.
Felix und Regula: Legenden und Krypten
Die Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula waren gemäss Überlieferung Angehörige einer römischen Militäreinheit aus dem ägyptischen Theben. Um 300 n.Chr. sollen sie in Zürich den Märtyrertod erlitten haben, da sie sich weigerten, an Christenverfolgungen teilzunehmen. Der Legende nach nahmen die Getöteten ihre abgeschlagenen Häupter und schritten hügelan bis zum Ort, wo sie bestattet werden wollten.
Über dieser Stelle sei später das Grossmünster errichtet worden. An ihrem Gedenktag, dem 11. September, werden die Geschwister Felix und Regula von den orthodoxen Kirchen Zürichs als «Kopten» mit einer Prozession und Vesper verehrt und gefeiert. Archäologie und Denkmalpflege der Stadt und des Kantons Zürich nehmen die Denkmaltage 2011 zum Anlass, am Sonntag, 11. September, die drei herausragenden Sakralbauten Wasserkirche, Grossmünster und Fraumünster mit ihren geschichtsträchtigen Krypten in den Mittelpunkt zu stellen.
Wasserkirche
Die Wasserkirche, mit Spuren einer ersten Kirche im 10. Jahrhundert, sei der Ort, wo im Mittelalter die Hinrichtungsstätte der Stadtheiligen Felix und Regula verehrt wurde. 1940/41 fanden archäologische Ausgrabungen statt, die seither besichtigt werden können.
Sie vermitteln neben dem Blick auf den Märtyrerstein einen Eindruck von der reichen Geschichte dieses einzigartigen Ortes – unter fachkundiger Führung durch Mitarbeitende der Stadtarchäologie.
Am Sonntag, 11. September, findet in der Wasserkirche von 11.30 – 12.30 Uhr der offizielle Auftakt mit Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartements der Stadt Zürich, und Regierungsrat Markus Kägi, Baudirektor, statt. Musikalisch wird dieser Anlass durch den Synagogenchor der Israelitischen Kultusgemeinde umrahmt.
Grossmünster
Seit dem 8. Jahrhundert sei die Wallfahrt zu den Gräbern der Stadtheiligen Felix und Regula bezeugt.
Das über diesen errichtete heutige Grossmünster entstand im Wesentlichen zwischen 1100 und 1250. Bis zur Reformation war es zugleich Teil eines weltlichen Chorherrenstifts und Pfarrkirche.
Das Grossmünster gehört zusammen mit dem Fraumünster zu den bekanntesten Kirchen und den Wahrzeichen der Stadt Zürich. Die Kantonale Denkmalpflege führt durch die Krypta und die Zwölfbotenkapelle und rückt die verborgenen Bau-Geschichten des Grossmünsters ins Blickfeld.
Fraumünster
Unter dem Chor des Fraumünsters befinden sich konservierte Überreste älterer Bauphasen der Kirche, die bis in die Zeit ihres Stifters, des karolingischen Königs Ludwigs des Deutschen, zurückreichen. Die erste Kirche am heutigen Standort wurde um 870 geweiht, zu Ehren von Felix und Regula, von denen Reliquien aus ihrer Grabstätte beim Grossmünster ins Fraumünster überführt wurden.
Mitarbeitende der Stadtarchäologie Zürich und des Baugeschichtlichen Archivs führen durch die bewegte Baugeschichte in Krypta, Kirche und Kreuzgang. Zudem stellen Restauratoren die Spurensuche an den historischen Kirchenwänden unter den Oberflächen vor, die im Fall des Fraumünsters mittelalterliche Wandmalereien zum Vorschein brachten.
Festungswerke in der Stadt Zürich und Bunkerapéro im Polizeimuseum
Vom römischen Kastell auf dem Lindenhof über die barocken Kasematten beim alten botanischen Garten bis zum Maschinengewehrstand im Widerlager der Quaibrücke aus dem Zweiten Weltkrieg: Zürich war immer auch eine Verteidigungsstadt. An den Rundgängen vom Samstag, 10.9.2011, in den Untergrund der Stadt werden spannende Einblicke in die Festungsbauwerke von Zürich gewährt.
Als Abschluss kann der im Zweiten Weltkrieg errichtete Lindenhofbunker besichtigt werden, der 1968 zu einem Ort der Jugendbewegung avancierte. Heute befindet sich hier das Museum der Zürcher Stadtpolizei, das Führungen und einen Apéro anbietet. (pd/rue)
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