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positiv ist also aufgefallen, das der polizeieinsatz so reibungslos verlief und über 300 personen verhaftet werden konnten. das sind deutlich mehr als letztes jahr, habe ich in der nzz gelesen. aber mit positiv über den 1. mai schreiben habe ich eigentlich etwas anderes gemeint.
positiv war also, dass die hauptrednerin, die im vorfeld so schlimm kritisiert wurde, nicht ein einziges wort gesagt hat, dass wir nicht schon tausendmal gehört hätten, durch den mund von arafat zum beispiel über das unsere wohnzimmerwand penetrierende kabelfernsehkabel übertragen. also da war bestimmt niemand überfordert. da gab es absolut gar nichts, was nicht jeder schon kannte. faszinierend war aber die eindeutig palästinensisch ausgerichtete sichtweise. das habe ich gemerkt.
die anderen redenden haben es gottseidank auch tunlichst vermieden, über die wichtigen themen zu reden, die die linke in der schweiz beschäftigen könnte. das haben wir sowieso schon alles in der zeitung gelesen, das mit den managern und ihren versagensentschädigungen und so. oder die wahnsins unternehmenrenovierer, die uns fast die swissair geklaut hätten. einzig ein psychi-pfleger in ausbildung, dessen name ich mir merken werde, wenn er es zu etwas gebracht hat, ist auf den aktuellen klassenkampf eingegangen. an dieser stelle ein bravo von mir an ihn: er hat tatsächlich sogar zum motto der veranstaltung gesprochen. das scheint alleine schon eine recht gute leistung, wenn man bedenkt dass es die anwesende parlamentarierin nicht im geringsten geschafft hat, es ihm gleichzutun.
da war aber definitiv noch mehr positives. zum beispiel hat es die klasse der arbeit doch noch geschafft, aus sich eine zweiklassen gesellschaft zu machen: die solidarischen (vermögenden) und die unsolidarischen (unvermögenden). die solidarischen kaufen sich eine solidaritätserstermaibändeli für zehn stutz, wobei wiederverkaufende zwei davon behalten dürfen. die mausarmen arbeiter, die die unterstützung der genossen benötigen, werden gezwungen, das billige zweifrankensolidaritätsbändeli zu kaufen. das hat weniger farben, nämlich nur rot, und irgendwie tönt das insgesamt sogar noch sinnvoll, ergo positiv.
ab so viel positivem kann man sich fragen, ob es denn gar nichts gegeben hat, was das schöne bild hätte trügen können. die chaoten, die stundenlang steine schmissen und nicht einmal im geringsten etwas mit dem ersten mai zu tun hatten, sondern eher mit allem anderen leiden in dieser welt, fielen eben auch positiv auf, weil sie, wie eben geschrieben, nichts mit dem ersten mai zu tun hatten. wenigsten jene, die die polizei noch stundelang nach dem erfolgreichen verhindern der nachdemo beschäftigten.
mehr positives: das grösste angebot an internationalen speisen gibt es auch am 1. mai, und zwar am fest im kasernenareal. ich werde jetzt keine aufzählung starten, um niemandem die gelegenheit zu geben zu behaupten, ich bevorzuge ein ausland vor dem anderen ausland.
so, dass muss reichen. wer immer noch nicht so recht verstanden hat, um was es am 1. mai in myzuri.ch geht, hat es begriffen. denn da gibt es nicht viel zu begreiffen. aber es ist ein schöner tag zum staunen.
ich hätte übrigens noch ein foto von so nackten demonstranten, aber die will ich jetzt hier nicht abbilden, weil nacktsein um aufzufallen, das ist einfach ein allzu abgefahrenes konzept. das macht doch heute jeder. und die hatten erst noch einen pass an ihre pim*el geklebt. also das finde ich jetzt daneben.
bidoux
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