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In Leimbach entsteht ein MCS-gerechtes Wohnhaus
publiziert am 08.09.2010

MCS-Erkrankte haben sich vor zwei Jahren zur «Wohnbaugenossenschaft Gesundes Wohnen MCS» zusammengeschlossen und wollen nun bis 2013 ein Wohnhaus mit 15 Wohnungen bauen, das hohen baubiologischen Ansprüchen genügt. Das kleine Baugrundstück am Rebenweg im Quartier Leimbach stellt die Stadt Zürich im Baurecht zur Verfügung.


So sieht das prämiete Objekt der Andreas Zimmermann Architekten AG aus. (Bild: zvg)

MCS - multiple chemische Sensitivität - ist der gebräuchlichste Ausdruck zur Beschreibung eines komplexen Krankheitsbildes, das durch Chemikalien aus Umwelt, Arbeitsplatz und Wohnbereich hervorgerufen wird. Solche Stoffe kommen in zahlreichen Materialien sowie in der Luft vor, wie Roger Waeber von der Fachstelle Wohngifte im Bundesamt für Gesundheit ausführte.

Der Kontakt mit solchen Stoffen - selbst wenn der gesetzlich festgelegte Grenz-wert weit unterschritten ist - könne bei einigen Menschen schwerwiegende Gesundheitsbe-schwerden auslösen, wie die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Zürich mitteilt.

Laut Waeber suchen solche Menschen «verzweifelt Möglichkeiten, um wenigstens in ihren eigenen vier Wänden vor ständigen Bedrohungen und entsprechenden Beschwerden geschützt zu sein». Christian Schifferle sei seit Jahrzehnten MCS-betroffen und Präsident der 50 Mitglieder zäh-lenden Wohnbaugenossenschaft.

Er zeigte sich an der Medienkonferenz zuversichtlich, da mit diesem Projekt das «gesunde Bauen» konsequent umgesetzt werde: «Endlich liegt der längst ersehnte Wohnraum für einige der Betroffenen in Reichweite.» Mit dem Wohnhaus in Leimbach wolle die Genossenschaft einen Bau realisieren, der höchste baubiologische Anforderungen erfüllt und der wissenschaftlich begleitet wird. Der gesamte Prozess - von der Wahl des Grundstückes bis zu Materialisierung und Energieversorgung - sei vom Ziel der Reizarmut bestimmt.

Die Wahl des Grundstücks fiel nach umfassender Vorabklärung auf eine kleine, 1200 m2 messende Parzelle am Rebenweg in Zürich-Leimbach. Wie Arno Roggo, Direktor der städtischen Liegenschaftenverwaltung, erklärte, liegt das Land am Rand der Bauzone und verfügt über eine für Stadtzürcher Verhältnisse gute Luftqualität.

Auch sei die Belastung durch Elektrosmog sowie Lärm- und Geruchsimmissionen gering. Die Stadt Zürich stellt das Land im Baurecht für 60 Jahre (plus zweimal 15 Jahre Verlänge-rungsoption) zur Verfügung.

Der Baurechtszins wird wie bei den Baugenossenschaften im gemeinnützigen Wohnungsbau berechnet. Die Stadt habe die Kosten für die Durchführung des Studienauftrags unter fünf Architekten-teams vorfinanziert.

Sie erwartet von diesem Projekt einen weiteren Erkenntnisgewinn für schadstoffarmes Bauen. Gemäss Michael Pöll von der städtischen Fachstelle Nachhaltiges Bauen solle das realisierte Projekt nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewertet werden.

Das Gebäude mit zwei Vollgeschossen und einem Unter- sowie einem Dachgeschoss enthalte 15 Wohnungen: 1 x 1.5-ZW, 3 x 2-ZW, 8 x 2.5-ZW, 2 x 3-ZW, 1 x 3.5-ZW. Das Augenmerk liegt nicht nur auf einer äusserst sorgfältigen Materialwahl und Verarbeitung.

Die Wohnungen müssen auch konzeptionell bestimmten Anforderungen genügen: Um sich beim Betreten von Wohnung und Waschraum von chemischen Substanzen reinigen zu kön-nen, werde der Bau mit speziellen Schleusen ausgerüstet, erklärte Architekt Andreas Zim-mermann. Das Prinzip «immer reiner» werde bis zum Schlafzimmer konsequent weiterge-führt; dort lassen sich verbliebene Luftverunreinigungen in einem entlüfteten Schrankraum ablegen.

«Das Schlafzimmer wird so zum Erholungsraum vor Umweltchemikalien.» Das aus fünf Vorschlägen ausgewählte Projekt sei das wirtschaftlichste. Trotzdem sei es teu-rer als andere Wohnhäuser, sagte Peter Schmid, Präsident der Sektion Zürich des Schweize-rischen Verbandes für Wohnungswesen (SVW), der die junge Genossenschaft berät.

Am Hang bauen komme teurer, eine kleine Liegenschaft koste pro Wohnung mehr als eine gros-se Siedlung, und MCS-gerechtes Bauen sei schlicht aufwändiger. Umgekehrt verfügten die Bewohnerinnen und Bewohner eines solchen Hauses nur über kleine Einkommen und seien auf günstige Mieten angewiesen.

Zinslose Darlehen zur Vergünstigung der Mieten würden aber nur gesprochen, wenn der Anlagewert eine bestimmte Grenze (in diesem Fall 4,5 Mio.) nicht übersteige. Somit seien die Kosten von 5,8 auf 4,5 Mio.

Franken zu senken, d. h. 1,3 Mio. oder rund 20 Prozent seien laut Schmid über Spenden aufzubringen.

Fundraising werde hier zu einer Solidaritätsaufgabe auch der Genossenschaften. Diese würden dafür mit dem komplexen Neubau Erkenntnisse für die Zukunft des gesunden Bauens gewinnen können.

Von städtischen Baugenossenschaften seien bereits 100 000 Franken als Starthilfebeitrag zugesichert worden. (pd/rue)

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